Nordamerikanische Flusskrebse im Überblick

Die nordamerikanischen Flusskrebse der Familie Cambaridae

Blauer Sumpfkrebs, Procambarus clarki -> Weitere Bilder und Bestellmöglichkeit

Die für die Aquarienhaltung infrage kommenden nordamerikaischen Flusskrebse setzen sich aus vier Gattungen zusammen: Cambarus, Orcnectes, Pacifastacus, Cambarellus und Procambarus. Aber überwiegend die letzten beiden genannten werden wegen ihrer relativen Friedlichkeit, meist geringen Größe und Farbenpracht in Aquarien gepflegt und erfolgreich nachgezüchtet. Am kleinsten sind mit nur wenigen cm die Zwergflusskrebse der Gattung Cambarellus. Sie sind vor allem entlang des Mississippis und rund um den Golf von Mexiko verbreitet. Procambarus-Arten kommen teilweise noch etwas weiter südlich bis Guatemala und Kuba vor. Auch die kleineren Procambarus-Arten sind friedlich, vergreifen sich kaum an Wasserpflanzen und sind einfach zu züchten, da die Weibchen eine intensive Brutpflege betreiben.

Die orange Farbmorphe des gestreiften Zwergflusskrebses Camabrellus patzcuarensis, meist einfach CPO genannt

Foto: Veitw, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported

Verbreitung und Lebensraum der Nordamerikanischen Flusskrebse

Die nordamerikanischen Flusskrebse (Fam. Cambaridae) gehören wie die europäischen Krebsarten der Familie Astacidae zu den Krebsen, die ausschließlich in der nördlichen Hemisphäre vorkommt, während die Parastaciden nur südlich des Äquator zu finden sind. Es sind fast ausschließlich Arten der Gattungen Cambarellus und Procambarus, die für Pflege und Zucht im Aquarium infrage kommen. Cambarus- und Orconectes-Arten sind meist zu groß, zu unscheinbar oder zu unverträglich und spielen eher auch in Mitteleuropa eine negativ besetzte Rolle, indem sie durch Auswilderung die einheimische Fisch- und Krebsfauna schädigen. Orconectes ist eine artenreiche Gattung, die ihren Ursprung im Osten Nordamerikas hat. Orconectes rusticiformis ist eine in ganz Nordamerika invasive Art, die sich rasch ausgebreitet hat. Orconectes limosus, der Kamberkrebs, wurde dagegen in Europa eingeschleppt und hat dort als Überträger der gefürchteten Krebspest großen Schaden unter der einheimischen Krebsfauna angerichtet. Als zweiter breitet sich inzwischen auch der Kaliko-Krebs, Orconectes immunis, im Rheintal rasch aus. Cambarus ist ebenfalls eine artenreiche Gattung von Flusskrebsen Nordamerikas. Von ihnen haben sich immerhin einige auch in Europa für die Pflege in Aquarien etablieren können: Cambarus coosae, C.maningi und C.rusticiformis. Die Zwergflusskrebse der Gattung Cambarellus kommen in den Fließgewässern rund um den Golf von Mexiko vor. Ebenso wie die Procambarus-Arten, die mit mehr als 140 Arten die größte Gruppe der nordamerikanischen Süßwasserkrebsen bildet; ihr Verbreitungsgebiet reicht allerdings noch weiter südlich bis Guatemala und Kuba.

Viele der nordamerikanischen Flusskrebsarten sind durch ungewollte Verschleppung oder gezielte Aussetzung inzwischen weltweit verbreitet. Auch wenn die meisten von ihnen dagegen immun sind, sie alle können potentielle Träger der gefürchteten Krebspest sein, deren Erreger Wasserschimmelpilze wie der Aphanomyces astaci sind. Das hat fast zur Ausrottung heimischer Edelkrebse geführt. Nordamerikanische Krebsarten, vor allem die bei Aquarianern beliebten Procambarus- und Cambarellus-Arten, dürfen daher auf keinen Fall ins Freiland entsorgt werden. Aus dem gleichen Grund verbietet sich auch eine Teichhaltung, da man hier nicht sicher sein kann, dass die Krebse ausbrechen, eine Strecke über Land wandern und dann das nächstgelegene Naturgewässer in Besitz nehmen.

Einige Procamabrus-Arten werden nicht nur von Aquarianern gepflegt, sie erfreuen sich auch bei Gourmets wachsender Beliebtheit. Allen voran der Lousiana-Sumpfkrebs Procambarus clarkii, denn er wird auch als Speisekrebs in Aquafarmen gezüchtet. Und für Aquarianer gibt es inzwischen eine ganze Palette von Farbschlägen vom einstigen, unscheinbaren Sumpfkrebs. Das Angebot reicht von roten, orangefarbenen bis zu blauen und weißen Zuchtsorten.

Einen Überblick über die derzeit überhaupt für eine Aquarienhaltung infrage kommenden nordamerikanischen Flusskrebsarten gibt die folgende Tabelle:

Wissenschaftlicher Name Deutscher Name Vorkommen Lebensraum Haltung Zucht
Cambarellus chapalanus Chapala-Zwergflusskrebseinfach Mexiko Seen und Teiche einfach einfach
Cambarellus diminutus - Mexiko und südl.USA einfach möglich, Details nicht bekannt
Cambarellus montezumae Montezuma-Zwergflusskrebs Mexiko Gräben, Tümpel und Sümpfe einfach einfach
Cambarellus ninae - Texas und Arkansas einfach einfach
Cambarellus patzcuarensis Orangen Zwerg-krebs, CPO Mexiko Zuchtform, Stammform im Lago de Patzcuro mittel mittel
Cambarellus puer Knabenkrebs Texas, Alabama, Illinois,Luossiana, Missouri einfach einfach
Cambarellus scmitti - Nordamerika einfach einfach
Cambarellus shufeldtii Lousiana-Zwergkrebs Texas, Alabama, Illionis Weiher, Teiche, Gräben einfach einfach
Cambarellus texanus Texanischer Zwergflusskrebs Texas einfach einfach
Cambarellus zempoalensis - Mexiko Lago Zempoala einfach einfach
Cambarus coosae Coosa-Krebs Georgia, Tennessee, Alabamba Einzugsgebiet des Coosa-Rvers mittel möglich
Cambarus maningi - Georgia, Tennessee, Alabamba Bergbäche einfach möglich
Cambarus rusticiformis - Georgia, Tennessee Bergbäche einfach möglich
Orconectes immunis Kaliokokrebs Mississippi-Gebiet(USA), inzwischen auch in Deutschland mittel mittel
Orconectes limosus Kamberkrebs, Amerikanischer Flusskrebs Nordamerika, inzwischen häufigster Flusskresb in Europa alle Gewässertypen einfach möglich
Orconectes marchandi Mammoth Spingkrebs Nordamerika einfach möglich
Pacificastacus leniusculus Signalkrebs Westen der USA Fließegwässer und Seen mittel mittel
Procambarus alleni Blauer Floridakrebs Florida und SO-USA Seen und langsam fließende Gewässer einfach möglich in sehr großen Aquarien
Procambarus clarkii Amerikanischer Sumpfkrebs Rund um Golf von Mexiko Fließgewässer einfach einfach
Procambarus cubensis Kubakrebs Isla de Pinos einfach einfach
Procambarus dupratzi Maikäferkrebs Lousiana, Texas, Alabama Größere Flüsse mittel mittel
Procambarus echinatus echinatus South Carolina/USA Größere Flüsse mittel mittel
Procambarus enoplasternum - South Carolina & Georgia Alle Gewässertypen einfach mittel
Procambarus fallax forma virginalis Marmorkrebs Stammform ist der Everglades-Sumpf-krebs P.fallax Maromorkebs kommt in der Natur nicht vor einfach einfach
Procambarus llamasi Yukatan-Gelbbandkrebs Mexiko und Nrod-Guatelmala einfach möglich
Procambarus pubesncens - South Carolina und Georgia einfach unproblematisch
Procambarus speculifer Weißdornkrebs, Maikäferkrebs Alabama und Georgia einfach möglich
Procambarus vasqueza - Umgebung von Veracruz/Mexiko einfach möglich
Procambarus versutus Gemalter Flusskrebs Nordamerika einfach möglich

Weitere Procambarus-arten im Shop: (zum Shop)
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Merkmale der Nordamerikanischen Europäischen Flusskrebse

Auch bei den nordamerikanischen Flusskrebsen bedeckt der Carapax, ihr Rückenpanzer, Vorder- und Hinterleib. Von den fünf Beinpaaren sind die ersten Beinpaare zu Scheren umgewandelt, während die folgenden vier Beinpaare zur Fortbewegung genutzt werden. Die Kiemen ragen oberhalb der Basis der Schreitbeinpaare in den Brustraum. Mit ihnen wird der gelöste Sauerstoff aus dem Wasser aufgenommen. Anders als die austral-pazifischen Cherax-Krebsarten haben die Männchen der nordamerikanischen Astaciden sogenannte Gonopodien, das sind die zu hakenförmigen Begattungsgriffeln umgewandelten ersten Hinterleibsbeinpaare. Die Geschlechtsöffnungen, die sogenannten Gonoporen, liegen beim Männchen an der Basis des dritten, beim Weibchen am fünften Schreitbeinpaares. Die Männchen der Procambarus-Arten haben außerdem kleine Häkchen am Beinansatz, mit denen sie die Weibchen bei der Paarung besser fixieren können. Die Weibchen sind zwar kleiner, ihr Körper wirkt gedrungener und sie haben auch kleinere Scheren als die Männchen, sichere Unterscheidunsgmerkmale können aber nur die genannten anatomischen Geschlechtsunterschiede liefern. Wie alle Krebse, so haben auch die nordamerikanischen Flusskrebse sehr gut entwickelte, facettenreiche Stielaugen, die ihnen eine Rundumsicht von 360 Grad bieten.

Haltung der Europäischen Flusskrebse im Aquarium

Für eine Haltung im Aquarium eignen sich vor allem die kleinen Zwergflusskrebse der Gattung Cambarellus für Hobbyaquarianer bestens, die sich als Quereinsteiger erstmals mit Flusskrebsen beschäftigen wollen. Aber auch viele Procambarus-Arten erfreuen sich wachsender Beliebtheit, da es auch unter ihnen sehr farbenprächtige Exemplare gibt. Zwergflusskrebse der Gattung Cambarellus kommen mit recht kleinen Aquarien aus, da sie nur wenige cm messen. Diese Krebse kann man auch sehr gut mit Zwerggarnelen, kleinen,friedlichen Fischen und Wasserschnecken zusammenhalten. Das Gleiche gilt, mit wenigen Einschränkungen, auch für die Vertreter der Gattung Procambarus. Die meisten dieser Flusskrebsarten sind nachtaktiv und brauchen tagsüber genügend Versteckmöglichkeiten. Zwergflusskrebse lassen auch die Wasserpflanzen in Ruhe. Außerdem graben sie nicht im Untergrund. Die großen Flusskrebsarten dagegen reißen die Pflanzen mitsamt ihren Wurzeln aus und fressen sie, wenn man ihnen nicht genügend andere vegetarische Kost bietet. Sie brauchen einen ausgewogenen und abwechslungsreichen Speiseplan. Man füttert sie mit zu Boden sinkendem Frostfutter oder Futtertabletten, wie sie für Krebse und Garnelen im Zoofachhandel angeboten werden, sowie mit klein geschnittenem Fisch- und Muschelfleisch. Trockenfutter, welches an der Wasseroberfläche schwimmt, ist für diese Krebse normalerweise nicht erreichbar. Man füttert abwechslungsreich und regelmäßig, aber sparsam. Als vegetarische Beikost kann man klein geschnittene Karotten, Tiefkühlerbsen und Gurkenscheiben, Wildsalat u.ä. bieten. Gerne werden auch vorgekeimte Getreidekörner angenommen.

Nachzucht Europäischer Flusskrebse unter Aquarienbedingungen

Viele Arten der Gattungen Cambarellus und Procambarus sind äußerst produktiv. Die Weibchen einiger Arten betreiben auch, nachdem sie die Jungkrebse aus ihrem Brutraum in die Freiheit entlassen haben, weiter eine intensive Brutpflege. Die jungen Krebse bleiben in der Nähe und flüchten bei Gefahr wieder blitzschnell unter den schützenden Bauch der Mutter. Aber auch Jungfernzeugung (Parthenogenese) kommt vor, so gibt es vom Marmorkrebs ausschließlich Weibchen, die sich ohne Begattung durch Männchen vermehren.

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