Welche Ansprüche muss ein Garnelen-Aquarium erfüllen?

Neben der richtigen Beckengröße muss das technische Equipment für Beleuchtung, Filterung und Temperierung, der Bodengrund, die Bepflanzung und die zur Verfügung stehenden Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten den Milieuansprüchen der Garnelen gerecht werden, damit sich die Garnelen auf Dauer wohl fühlen und im Aquarium ohne größere Verluste gepflegt und vielleicht sogar vermehrt werden können.

Art- oder Gesellschaftsbecken?

Selbst die geselligste Garnelenart fühlt sich unter ihres gleichen im Artbecken am wohlsten. Man kann davon ausgehen, dass die Garnelen auf die Gesellschaft anderer Wirbelloser oder von Fischen absolut keinen Wert legen – es sei denn, diese tragen als Futtertiere zur Bereicherung ihres Speiseplans bei. Auch als Putz- und Reinigungskolonne kann die Begleitfauna im Aquarium wertvolle Dienste leisten. Wem selbst die Beobachtung der wieselflinken Zwerggarnelen auf die Dauer zu langweilig wird und daher nicht auf ein Gesellschaftsaquarium verzichten möchte, der sollte einige Grundregeln beachten, um vor bösen Überraschungen sicher zu sein. Wer mit wem zusammenpasst und was gar nicht gut geht, das kann man unter „Vergesellschaftung mit Wirbellosen“ und „Vergesellschaftung mit Fischen“ erfahren.

Welche Beckengröße?

Für eine kleine Gruppe von 10 bis 20 Zwerggarnelen reicht u. U. bereits ein Becken von 20 Liter Wasservolumen. Dazu gibt es komplette Einsteigersets in Form der derzeit so beliebten sogenannten Nanoaquarien. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass in größeren Aquarien die Wasserverhältnisse eher stabil gehalten werden können. Garnelen reagieren empfindlich auf abrupte Veränderungen der Wasserwerte. Auch soll die Garnelen-Population ja auch im Laufe der Zeit wachsen und für Nachwuchs sorgen. Daher ist auch für Zwerggarnelen ein Aquarium von 60cm Länge mit einem Wasservolumen von 54 Liter besser geeignet.

Während für die kleineren Vertreter der Gattung Macrobachium wie die Glasgarnele und die Schneeflöchengarnele dieselben Ansprüche an Beckengröße und Ausstattung wie für Zwerggarnelen gelten, brauchen die größeren Großarmgarnelen auch größere Aquarien. Ein Nanoaquarium reicht da bestenfalls für ein einziges Pärchen; doch wenn dies Pärchen sich dann vermehren soll, dann wird es bald zu eng für den Nachwuchs. Für solche Großarmgarnelen sollte die Beckenmindestgröße bei 80 bis 100cm Länge liegen. Will man trotz vielfacher Bedenken auch bei Großarmgarnelen nicht völlig auf eine Vergesellschaftung mit anderen Wirbellosen oder Fischen verzichten, muss das Gesellschaftsbecken noch größer und gut strukturiert sein und viele Versteckmöglichkeiten aufweisen, um eine friedliche Koexistenz aller Beckenbewohner zu ermöglichen.

Fächergarnelen müssen sich nicht wie die Großarmgarnelen auf Beutezug begeben oder wie Zwerggarnelen auf der Suche nach Algenaufwuchs, Detritus und anderen verwertbaren Nahrungspartikeln im Aquarium umherwieseln. Als passive Filtrierer lassen sie sich Plankton und Schwebstoffe mit der Strömung in ihre Borstenfächer treiben. Dazu benötigen sie einen geeigneten Sitzplatz; sie gehören also zu den ruhigen Vertretern der Garnelen. Entscheidend für ihr Wohlbefinden ist daher nicht die absolute Beckengröße, sondern das Verhältnis von Nahrungspartikel pro Liter zum gesamten Wasservolumen. In einer ersten Näherung lässt sich das einer Fächergarnele zur Verfügung stehende Nahrungsangebot aus der Anzahl der Nahrungspartikel pro ml [n.ml-1], der Strömungsgeschwindigkeit im Umfeld des Filterapparates [cm . sec-1] und der Projektionsfläche der Filterfläche senkrecht zur Strömungsrichtung [cm2] abschätzen. Bei einer mäßigen Strömung sind die Fächergarnelen in der Lage, ihre Borstenfächer in eine Position senkrecht zur Strömungsrichtung zu bringen, um einen möglichst großen Wasserquerschnitt abfiltrieren zu können. Bei einer stärkeren Strömung werden die Fächer zunehmend aber in die Horizontale abgelenkt, da sie dem wachsendem Strömungsdruck nicht mehr standhalten können. Die Reduktion des Nahrungsangebotes durch die Filtriertätigkeit der Fächergarnelen kann gegenüber den weitaus größeren Verlusten durch Sedimentation der Partikel am Beckenboden völlig vernachlässigt werden. Es ergeben sich zwei extreme Szenarien: Entweder im Aquarium zirkuliert bei mäßiger Strömung eine dicke, grüne Algenbrühe. Dann sind die Sedimentationsverluste natürlich besonders groß. Es bleibt zwar immer noch genügend Nahrung in der Schwebe. Aber die Fächergarnelen benötigen einen gewissen Strömungsreiz, um aktiv zu werden, ihre Borstenfächer aufzuspannen und regelmäßig ein- und auszuklappen. Außerdem wirkt eine solche Algenblüte im Aquarium ausgesprochen unästhetisch und man kann seine Fächergarnelen nur noch schemenhaft wahrnehmen. Oder es gibt nur wenige Nahrungspartikel im Angebot, dafür ist die Strömung im Aquarium aber extrem hoch. Fächergarnelen lieben zwar eine starke und vor allem kontinuierliche und gerichtete Strömung, aber irgendwann machen sie dann doch schlapp und die Strömung reißt sie „vom Hocker“, pardon von ihren angestammten Sitzplätzen. Wie so oft, liegen die optimalen Nahrungsbedingungen in der Mitte zwischen diesen beiden Extremen. Eine mittlere Zahl von Nahrungspartikeln bei einer mittelstarken Strömung bietet die beste Voraussetzung für eine optimale Ernährung der Fächergarnelen. Absolute Zahlen können dazu allerdings nicht angegeben werden. Wo die goldene Mitte liegt, das hängt auch von der Beckengröße und dem Besatz, also der Gruppengröße der Fächergarnelen ab und muss durch regelmäßige Beobachtung der Garnelen beim Filtrieren individuell auf die richtige Dosierung eingestellt werden.

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