Aquarienschnecken – eine Einführung

Verbreitung und Lebensraum der Aquarienschnecken

Außerhalb der Zonen mit ewigem Eis sind Wasserschnecken praktisch weltweit verbreitet. Selbst in den kleinsten Süßwasseransammlungen in einer Oase mitten in einer Wüste wird man sie finden. Neben einheimischen Arten, die sich für den Gartenteich eignen oder teilweise als blinde Passagiere mit Pflanzen ins Aquarium eingeschleppt wurden, ist das Interesse an exotischen Arten sprunghaft gestiegen. Besonders beliebt sind farbenprächtige Schnecken aus der Gruppe der Neritiden wie die Zebrarennschnecke oder die Geweihschnecke.

Zebra-Rennschnecke Vittiana coromandeliana

Foto: Drägüs, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported

Die Euphorie erfuhr einen ersten Dämpfer, als klar wurde, dass sich diese Kahnschnecken unter Süßwasserbedingungen nicht züchten lassen. Für die erfolgreiche Nachzucht benötigen sie ähnlich wie manche Garnelenart den Biotopwechsel zwischen Süß- und Brack– oder Meerwasser. Einige Aquarianer können es offensichtlich immer noch nicht lassen, ihnen lästig gewordene Aquarienbewohner ins nächste Freilandgewässer zu entsorgen. So kann die ursprünglich aus Südostasien stammende Malaiische Turmdeckelschnecke Melanogaster tuberculata in den Kühlwasserabläufen von Kraftwerken den mitteleuropäischen Winter verlustfrei überstehen und wahre Massenbesiedlungen entwickeln. In der Badlochquelle mitten im Kaiserstuhl, einer Thermalquelle, die auch bei klirrendem Frost noch eine Wassertemperatur von plus 20 Grad Celsius und mehr misst, war bis in den 1980-ziger Jahre eine in ihrer Zusammensetzung einmalige Gesellschaft seltener Wasserinsekten zu finden. Nur wenige Jahre später gab es dort nur noch Guppys und eben diese Malaiischen Turmdeckelschnecken. Und in Italien muss wohl ein Aquarianer seine Apfelschnecken ausgesetzt haben. Innerhalb weniger Jahre kam es zu Massenvermehrungen dieser Apfelschnecken in weiten Teilen Italiens, die die einheimische Schneckenfauna komplett zu verdrängen drohte. Als Folge gilt seit 2013 ein EU-weites Verbot für den Import, den Verkauf, die Zucht und Pflege sämtlicher Apfelschneckenarten! Ein herber Rückschlag für professionelle Züchter, die in den letzten Jahren goldgelbe, rosafarbene und sogar blaue Farbschläge der Apfelschnecken herausgezüchtet hatten. Einige solcher invasiven Neozoen unter den Süßwasserschnecken gelangen aber auch auf „natürlichem„ Weg ins unsere Gewässer. So entdeckte man in den 1970-ziger Jahren plötzlich die winzig kleinen Schneckenart Potamopyrgus antipodarum zu Tausenden pro Quadratmeter auf Steinen und anderen Hartsubstraten im Bodensee, im Rhein und anderen Flusssystemen. Diese Süßwasserschnecke hat ihre ursprüngliche Heimat aber im weit entfernten Neuseeland. Sie muss die mehr als 20.000km Seeweg als Blinder Passagier im Ballastwasser von Containerschiffen zurückgelegt haben. Seit einigen Jahrzehnten findet man auch die aus dem Mittelmeergebiet stammende Italienische Sumpfdeckelschnecke Viviparus ater in den Schweizer Seen und im Bodensee. Es scheint nur eine Frage von wenigen Jahren, bis sie unsere beiden einheimischen Arten, die Gemeine Flussdeckelschnecke Viviparus viviparus und die Spitze Sumpfdeckelschnecke Viviparus contectus, verdrängen wird.

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Merkmale, Form und Färbung der Aquarienschnecken

Die Schale der Mollusken ist ursprünglich aus drei Schichten aufgebaut. Die innerste, die Perlmuttschicht ist jedoch nur noch bei einigen marinen Arten erhalten, bei den Süßwasserschnecken ist sie im Laufe ihrer Evolution verloren gegangen. Erhalten geblieben sind dagegen die mittlere Prismenschicht und die Deckschicht, das Periostrakum. Diese Deckschicht ist hornartig verdickt und soll die Schneckenschale vor schädlichen Stoffen im Wasser, die die Schale angreifen können, schützen. Oft ist dies Periostrakum aber soweit abgerieben, dass es nur noch als einzelne Fetzen auf der Schale zu sehen ist. Das Kalkgehäuse wird vom Mantel ausgeschieden, eine manschettenartige Hautfalte zwischen dem Fuß und dem Eingeweidesack. Ein dünner Streifen am Rand dieses Mantels enthält Pigmentzellen, die für die Farben der Schneckenschale sorgen. Die Muster und Zeichnungen kommen dabei durch den unterschiedlichen Aktivitätsrhythmus dieser Pigmentzellen zustande.

Schalen der Gefruchten Apfelschnecke Pomacea canaliculata

Foto: H.Zell, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported

Typisch für alle Schnecken ist außerdem die Raspelzunge, Radula genannt. Auf ihr stehen Reihen feinster Chitinhärchen. Damit raspelt die Schnecke Nahrungspartikeln von Pflanzen, Auwuchsalgen auf festen Substratflächen oder das Gewebe von tierischem Aas ab.

Der Weichkörper der Schnecken gliedert sich in Kopf, Fuß, Einegweidesack und schließlich den bereits erwähnten Mantel. Am Kopf sitzen Augen und Fühler, im Inneren des Kopfs ist das Zentrale Nervensystem platziert. Eine flache, muskulöse Kriechsohle bildet den Fuß der Schnecke. Der Eingeweidesack liegt geschützt im Gehäuseinneren, er enthält die inneren Organe.

Ursprünglich atmen alle Wasserschnecken mit Kiemen. Die größte Gruppe bilden dabei die Vorderkiemer, überwiegend marine Arten. Vorderkiemer im Süßwasser gehören der Familie der Fluß- und Sumpfdeckelschnecken (Viviparidae), der Familie der Kahnschnecken (Neritidae), der Familie der Hydrobiiden und der Familie der Federkiemenschnecken (Valvatidae) an. Die meisten der Kahnschnecken leben im flachen Meerwasser, einige Arten wandern ins Brackwasser oder sogar in die Süßwasser führenden Flusssysteme stromauf, müssen sich aber zur Eiablage und Entwicklung der Jungschnecken ins Meer zurückkehren. Die Federkiemenschnecken spielen derzeit aquaristisch keine Rolle. Einige Arten haben sich weiter entwickelt zu Lungenatmern, eine wichtige Voraussetzung für das Leben an Land. Neben Landlungenschnecken gibt es aber auch viele Süßwasserlungenschnecken. Zu ihnen gehören die Teller- und Posthornschnecken (Planorbidae), sowie die Schlammschnecken (Lymnaeidae) und die Napfschnecken (Ancylidae).

Haltung der Aquarienschnecken

Die meisten Süßwasserschnecken benötigen zum Bau ihres Gehäuse hartes, kalkreiches Wasser, dessen pH-Werte dann folglich im alkalischen Bereichen liegen. Darauf ist zu achten bei der Vergesellschaftung mit tropischen Zierfische, die abgesehen von den Lebendgebärenden Zahnkarpfen meist aus ausgesprochen weichen, kalkarmen Gewässern stammen. Selbst Humin- und Gerbstoffe, wie in Schwarzwasseraquarien reichlich vorhanden sind, können trotz ihres geringen Säuregrades bereits die Schneckenschalen angreifen. Das schränkt die gemeinsame Haltung auf wenige Arten ein. Mangelnder Kalkgehalt im Wasser kann bis zu einem gewissen Grad durch mineralreiche Ernährung, ein größeres Lochgestein oder eine Sepiaschale, die im Aquarium platziert werden, kompensiert werden. Vorderkiemer wie die Kahnschnecken brauchen sauerstoffreiches Wasser, Süßwasserlungenschnecken holen sich ihren Luft- und Sauerstoffvorrat an der Wasseroberfläche und können auch in sauerstoffarmem Milieu überleben.

Paradiesscknecke Marisa cornuarietis

Foto: Katrin-die-Räuberbraut, Public Domain

Hat man Steinaufbauten im Aquarium, dann sollten die Lücken zwischen den Steinen nicht so eng sein, dass sich die Schnecken nicht dazwischen verkeilen können. Scharfe Steinkanten müssen vermeiden oder abgerundet werden, damit sich die Schnecken mit ihrem Fuß nicht daran verletzen können.

Das Aquarium darf nicht „klinisch“ sauber gehalten werden. Die meisten Schnecken brauchen etwas Bodenmulm und reichlich Aufwuchsalgen. Pinselalgen und Fadenalgen können aber von den Schnecken nicht abgeraspelt werden, denn damit die Schnecken mit ihrer Radula die Algen fassen können, brauchen sie das darunter liegende Hartsubstrat als Widerlager. Einige Arten sezernieren zusätzlich etwas Schleim, mit dem sie dann im Wasser schwebende Planktonalgen und andere Nahrungspartikel abseihen können. Algenfressende Fische wie die Küssenden Guramis, die Indische Saugschmerlen und Antennenwelse können da ebenso wie Zwerggarnelen oder Fächergarnelen zu Nahrungskonkurrenten werden. Sollen sich Schnecken wohl fühlen und gesund entwickeln, dann muss man ohnehin zufüttern. Ein, zwei Futtertabletten auf dem Aquarienboden ziehen die Schnecken magisch an und man bekommt dann als Nebeneffekt eine erste Übersicht über die Größe der Schneckenpopulation. Einige Schnecken, vor allem die Lungenschnecken der Posthorn- und Schlammschnecken schöpfen nicht nur an der Wasseroberfläche Luft, sie können auch kopfunter auf ihrer eigenen Schleimspur unter dem Wasserspiegel entlang gleiten und die Kahmhaut auf dem Wasser abweiden oder sich kleinere Schwimmpflanzen wie Wasserlinsen, Rizzia oder Salvinia einverleiben. Schlammschnecken wie die große Lymnaea stagnalis brauchen auch etwas überbrühten, klein geschnittenen Salat; sonst vergreifen sie sich bald an den Wasserpflanzen.

Natürlich sollte man Süßwasserschnecken nicht mit scheckenfressenden Fischen zusammensetzen. Aber auch einige Raubschnecken wie die Anentome helena machen vor anderen Schnecken nicht Halt. Und die Perlhuhnschnecke, aber auch unsere heimischen Schlammschneckenarten der Gattung Radix machen sich über den Laich anderer Schnecken her. Vorsicht ist auch geboten bei den meisten Flusskrebsen und den Großarmgarnelen, zu deren Speiseplan auch Schnecken gehören. Apfelschnecken strecken ihre Fühler weit aus dem Gehäuse heraus. Das würde manchen Aquarienfisch dazu verleiten, nach dem vermeintlichen Wurm zu schnappen und ihn einfach abzubeißen.

Nachzucht der Aquarienschnecken

Unter den Süßwasserschnecken gibt es sowohl Zwitter als auch getrennt gleichgeschlechtliche Sorten, also mit Männchen und Weibchen. Die Populationen einiger Arten bestehen fast ausschließlich aus Weibchen, die sich parthenogenetisch, durch die sogenannte Jungfernzeugung, vermehren. Zu ihnen gehört die Malaiische Turmdeckelschnecke. Sie legen keine Eier, die Jungtiere wachsen in der Nährsubstanz im Mutterleib auf; diese Schnecken sind also lebengebärend. Auch die Sumpfdeckelschnecken legen keine Eier, sondern sind vivipar. Die meisten Süßwasserschnecken legen jedoch Eier. Aus ihnen schlüpfen - anders als bei vielen Meeresschnecken - keine Larven, sondern bereits voll entwickelte Jungschnecken. Zu Eiablage benötigen die Schnecken eine feste Unterlage. Manche heften ihre Eier an Stiele oder breitflächige Blätter von Wasserpflanzen, andere Steinen, die inneren Glasscheiben des Aquariums oder an Moorkienwurzeln. Apfelschnecken legen ihre Eier grundsätzlich oberhalb der Wasseroberfläche ab. Diese Gelege härten schnell aus, damit sie nicht im Inneren austrocknen. Die meisten Aquarienschnecken lassen sich problemlos züchten. Ausreichendes Futter, und vor allem proteinreiche Ernährung sowie ein häufiger Teilwasserwechsel können den Fortpflanzungstrieb anregen. Lediglich bei den Pagodenschnecken und den Perlhuhnschnecken ist die Zucht nicht ganz einfach. Im Aquarium paaren sie sich in der Regel nicht. Trotzdem können die Weibchen aus Wildfängen in ihren Bruttaschen Jungschnecken austragen, da sie schon in ihren Heimatgewässern befruchtet worden sind und die Spermien längere Zeit einlagern können.

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